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Hey! Du liest Feeding the Family – deinen wöchentlichen Newsletter rund ums Kochen mit und für die Familie. Immer echt, immer regional, immer mit Herz. Hier findest du Ideen fürs Meal Prep, das beste Schulbrot und Inspiration, noch mehr Neues auszuprobieren. Schön, dass du dabei bist ❤️

Und mal ehrlich: Der Familienalltag ist oft ganz schön turbulent – zwischen Job, Kita, Schule und Haushalt bleibt das Kochen manchmal auf der Strecke. Aber genau deshalb sitzen wir alle im selben Boot. Niemand hat immer die perfekte Lösung oder endlos Zeit, und das ist völlig okay. Hier bekommst du Ideen, die einfach umsetzbar sind, den Stress rausnehmen und gleichzeitig allen schmecken. Weil gemeinsames Essen nicht perfekt sein muss, sondern vor allem verbindet.


Los geht’s—Reni

Diese Woche

Halloween ist überstanden, die Süßigkeitendose ist gut gefüllt, und seit der Zeitumstellung ist es um fünf Uhr nachmittags schon dunkel. Das ist die Phase im Jahr, in der ich mich in der Küche nach Farbe sehne. Nach etwas, das nicht beige, braun oder orange ist.

Und genau da kommt der Mangold ins Spiel. Ich gebe zu: Lange Zeit habe ich ihn auf dem Markt übersehen. Er liegt meistens etwas verloren zwischen Spinat und Grünkohl, und wer nicht weiß, was er damit anfangen soll, greift lieber zum Bekannten. Dabei ist er das freundlichste Blattgemüse, das ich kenne: milder als Spinat, unkomplizierter als Grünkohl, und seine Stiele leuchten in Rot, Gelb und Weiß wie eine Packung Buntstifte.

Nach dem Rosenkohl-Comeback letzte Woche (danke für eure vielen Nachrichten, offenbar wird in einigen Familien jetzt freiwillig Feta-Rosenkohl gegessen!) gibt's diese Woche also wieder ein Gemüse mit Imageproblem. Nur dass der Mangold kein schlechtes Image hat, sondern schlicht gar keins. Das ändern wir jetzt.

Vom Markt

Mangold — die Rote Bete, die lieber Blätter macht

Erinnert ihr euch an die Rote Bete aus der Flamingo-Ausgabe? Mangold ist ihr enger Verwandter. Beide gehören zur selben Pflanzenart, nur wurde beim Mangold über Jahrhunderte nicht auf eine dicke Knolle gezüchtet, sondern auf große Blätter und kräftige Stiele. Deshalb schmeckt er auch ein bisschen nach Roter Bete, nur viel milder, irgendwo zwischen Spinat und junger Bete.

Auf dem Markt gibt es ihn in zwei Varianten: Stielmangold mit breiten, fleischigen Stielen und großen Blättern, und Blatt- oder Schnittmangold mit dünneren Stielen, der eher wie ein kräftiger Spinat aussieht. Der Star der Saison ist aber der Regenbogen-Mangold mit bunten Stielen. Den kauft man nicht nur, weil er schmeckt, sondern weil er auf dem Teller einfach gute Laune macht.

  • Saison: Aus dem Freiland von Juni bis in den November. Mangold verträgt leichten Frost ganz gut, deshalb gibt es ihn jetzt noch frisch vom Feld, aber nicht mehr lange. Wer ihn mag, sollte jetzt zugreifen.

  • Woran erkenne ich guten Mangold? Knackige, glänzende Blätter ohne gelbe oder schlappe Stellen, und feste Stiele, die beim Biegen eher brechen als sich biegen. Schlaffer Mangold ist schon ein paar Tage unterwegs.

  • Stiele und Blätter getrennt: Das ist der wichtigste Mangold-Trick überhaupt. Die Stiele brauchen deutlich länger als die Blätter, ungefähr so wie Sellerie im Vergleich zu Spinat. Also: Blätter vom Stiel schneiden, Stiele in Stücke schneiden und zuerst garen, die Blätter erst in den letzten zwei, drei Minuten dazugeben.

  • Lagern: Ungewaschen in ein feuchtes Küchentuch wickeln und ins Gemüsefach legen. So hält er sich 2–3 Tage. Mangold ist kein Lagergemüse, also lieber kaufen, wenn ihr ihn auch bald kocht.

  • Rote Stiele färben: Wie bei der Roten Bete steckt in roten Stielen Betanin. Sie können beim Kochen etwas abfärben, Nudeln oder Ricotta bekommen dann einen zartrosa Schimmer. Wer das nicht mag, nimmt gelbe oder weiße Stiele. Wer Flamingos mag, nimmt erst recht die roten.

  • Und die Oxalsäure? Mangold enthält, wie Spinat und Rhabarber, Oxalsäure. Die bindet Calcium und kann bei Menschen mit Neigung zu Nierensteinen ein Thema sein. Ein Teil davon geht beim Blanchieren ins Kochwasser über, das man dann weggießt. Und ein ganz einfacher Trick: Mangold mit Milchprodukten kombinieren. Deshalb landet er diese Woche nicht zufällig neben Feta, Ricotta und Käse.

„Mangold ist wie der ruhige Cousin auf der Familienfeier: Keiner beachtet ihn, bis er anfängt zu erzählen, und dann will ihn jeder am Tisch haben."

Gut für dich

Heute auf dem Tisch

Der Kinderklassiker schlechthin, nur eine Spur bunter: cremiger Mangold, fluffiges Kartoffelpüree und ein Spiegelei obendrauf. In 30 Minuten auf dem Tisch.

Rahm-Mangold mit Kartoffelpüree & Spiegelei — „Spinat, Ei und Kartoffeln" in Bunt

Spinat, Spiegelei und Kartoffelbrei: Das gab es in so vielen Familien jeden Donnerstag, dass es fast schon ein Kulturgut ist. Diese Woche tauschen wir den Spinat einfach gegen Mangold. Er ist milder, ein bisschen süßlicher und bringt mit seinen Stielen kleine bunte Würfel in die grüne Soße. Die Zubereitung ist so einfach, dass sie auch an einem Dienstag nach dem Turnverein klappt: Kartoffeln kochen, Mangold in Butter andünsten, einen Schuss Sahne dazu, Eier in die Pfanne. Mehr ist es nicht. Und das Beste: Diese Kombination kennen die meisten Kinder schon, deshalb ist die Hürde für das „neue" Gemüse besonders klein.

So wird's gemacht

  1. Kartoffeln aufsetzen: Kartoffeln schälen, in gleich große Stücke schneiden und in Salzwasser etwa 20 Minuten weich kochen. In der Zeit ist alles andere fertig.

  2. Mangold zerlegen: Mangold waschen, Blätter von den Stielen schneiden. Stiele in kleine Würfel schneiden, Blätter in feine Streifen. Je feiner, desto weniger fällt der Mangold später als „Blatt" auf.

  3. Erst die Stiele: Butter in einem Topf schmelzen, Zwiebel und Stielwürfel darin 5 Minuten weich dünsten. Dann die Blätter dazugeben und unter Rühren 2–3 Minuten zusammenfallen lassen.

  4. Cremig machen: Sahne und Frischkäse einrühren, 2 Minuten leise köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer, einer Prise Muskat und einem Spritzer Zitrone abschmecken. Wer es feiner mag, püriert ein Drittel mit dem Stabmixer, so wird der Mangold richtig cremig.

  5. Püree stampfen: Kartoffeln abgießen, kurz ausdampfen lassen und mit Butter und warmer Milch zu einem lockeren Püree stampfen. Mit Muskat und Salz würzen.

  6. Spiegeleier: Etwas Öl in einer großen Pfanne erhitzen, Eier hineinschlagen und bei mittlerer Hitze braten, bis das Eiweiß fest ist. Püree, Rahm-Mangold und Ei zusammen auf den Teller, fertig.

Die Rezeptkarte

Zum Speichern, Ausdrucken oder an den Kühlschrank hängen: das Rezept dieser Woche auf einen Blick.

Familienküche mit System

Drei Dinge aus dieser Woche

  1. Erst die Stiele, dann die Blätter

Was beim Mangold gilt, funktioniert auch bei Pak Choi, Brokkoli mit Strunk und Grünkohl mit dicken Rippen: harte Teile zuerst in die Pfanne, zarte Teile zum Schluss. Wer sich das einmal angewöhnt hat, hat nie wieder halb rohe Stiele und matschige Blätter im selben Gericht.

  1. Blattgemüse auf Vorrat: blanchieren und portionieren

Wenn mehr Mangold da ist, als ihr in drei Tagen schafft: kurz blanchieren, kalt abschrecken, gut ausdrücken und in kleinen Portionen einfrieren, zum Beispiel in einer Muffinform. Gefroren in einen Beutel umfüllen. So habt ihr für Suppen, Aufläufe oder Taler immer eine Handvoll Grünes parat, ganz ohne schlechtes Gewissen beim Wegwerfen.

  1. Die Regenbogen-Woche

Ein kleines Spiel, das bei uns Wunder wirkt: Am Kühlschrank hängt ein Zettel mit fünf Farben, Rot, Orange, Gelb, Grün und Lila. Jedes Mal, wenn jemand ein Obst oder Gemüse in einer Farbe isst, gibt es ein Kreuz. Ziel ist, bis Sonntag in jeder Farbe mindestens ein Kreuz zu haben. Kein Zwang, keine Belohnung mit Süßem, nur der Ehrgeiz, den Regenbogen vollzumachen. Mangold liefert dabei gleich drei Farben auf einmal.


Reni’s Ecke

Eure Gemüse-Verhandlungen: Ich hatte gefragt, welches Gemüse bei euch ohne Diskussion gegessen wird und bei welchem verhandelt wird wie bei einem Tarifabschluss. Ganz klar ohne Diskussion: Gurke, rohe Möhren und Mais. Die drei sind offenbar die Schweiz unter den Gemüsen, neutral und von allen akzeptiert. Am härtesten verhandelt wird bei Pilzen, gekochter Paprika und allem, was „glitschig" ist. Und eure besten Tricks? Gemüse mit Dip statt auf dem Teller, Kinder beim Schnippeln naschen lassen und Gemüse umbenennen. Mein Favorit: Eine Familie nennt Brokkoli konsequent „Dinosaurier-Bäume" und hat damit seit zwei Jahren keine Brokkoli-Debatte mehr gehabt.

Kennt ihr Mangold? Die ehrliche Antwort der meisten von euch: „Vom Sehen." Viele kennen ihn vom Markt oder aus dem Garten der Eltern, aber nur ein kleiner Teil kocht ihn regelmäßig. Ein paar von euch kennen ihn vor allem aus der Schweiz und aus Norditalien, wo er viel selbstverständlicher auf dem Tisch steht als bei uns. Umso besser, dass er diese Woche seinen großen Auftritt bekommt.

Als Kind gehasst, heute geliebt: Und hier wird es wunderbar ironisch: Auf Platz eins steht, ihr ahnt es, der Rosenkohl. Dicht gefolgt von Spinat, Oliven und Roter Bete. Ein paar Bekenntnisse haben mich besonders gefreut: jemand, der als Kind jede Paprika einzeln aus dem Essen gepickt hat und heute selbst Paprika im Garten zieht, und jemand, der Rote Bete „nur noch als Flamingo-Pfannkuchen" isst. Die gute Nachricht für alle Eltern, deren Kinder gerade verhandeln: Geschmack verändert sich. Manchmal braucht es nur zwanzig Jahre und einen Ofen.

Die Frage der Woche: Nächste Woche gibt es Reibekuchen, und damit die große Glaubensfrage: Wie heißen sie bei euch? Reibekuchen, Kartoffelpuffer, Reibeplätzchen, Rievkooche oder ganz anders? Und was kommt drauf: Apfelmus, Quark, Lachs oder Zucker? Antwortet einfach auf diese Mail, die Ergebnisse gibt es nächste Woche.

Erinnerung St. Martin: Am Mittwoch ist Martinstag. Wer nach dem Laternenumzug etwas Warmes braucht: Die Mangold-Taler lassen sich prima vorbacken und als Laternen-Snack in die Jackentasche stecken. Und für die süße Variante spricht wie jedes Jahr alles für einen Weckmann vom Bäcker. Manche Traditionen muss man nicht selbst backen.

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